Allgemein

Zu dem Klassenlehrer*in-Profil an einer Waldorfschule gehört ein hohes Maß an Flexibilität, Beweglichkeit und Kreativität. Über einen langjährigen Zeitraum begleiten Klassenlehrer*innen eine Klasse in die Einführung von Kulturtechniken wie Schreiben, Lesen und Rechnen zur zeitgemäßen Medienmündigkeit. Die Korporealität im ganzheitlichen Sinne, nicht nur von den Schüler*innen sondern auch von Lehrer*innen, stellt einen der zentralen pädagogischen Handlungsräume der Steiner/ Waldorfpädagogik dar.

Bewegung in physischem, sprachlich-musikalischem und gedanklichem Sinne ist eine der primären Gestaltungsprinzipien der Steiner Pädagogik. Es ist eine Pädagogik des Tuns, Handelns und Erlebens – durch reale Erlebnisse und mit Rücksicht auf die Entwicklungsphasen der Schüler*innen, wird Urteilsbildung und Begriffsbildung interdisziplinär/ fachübergreifend angeleitet und aus dem Staunen im Anfangsunterricht entwickeln die Klassenlehrer*innen prozessual und ganzheitlich die Einführung in die gesetzmäßigen Geistes- und Naturwissenschaften der Mittelstufe hinein.

Klassenlehrer*innen begleiten die Schüler*innen in die Verwandlung von Spielen ins Üben. Diese Begleitung findet auch im Rahmen von einer kontinuierlichen Wahrnehmung und Beobachtung individueller Entwicklungen und schulischen Leistungen statt. Waldorfpädagogik ist eine grundsätzliche inklusive Pädagogik und beansprucht Lehrer*innen auch in Bereichen der interkulturellen und sonderpädagogischen Arbeit.

Steinerpädagogik kann als eine von vielen reformpädagogischen Erneuerungen aus der Fin de Siècle eingeordnet werden, in dem es ein Versuch zur pädagogischen Gegengewichtsetzung in post-industriellen und digitalen Zeitaltern vertreten, womit nachhaltige, ganzheitliche und allgemein menschliche Qualitäten wieder in die Pädagogik einkehren durften.

Keine Autorin hat es besser zusammengefasst als die amerikanische Umweltaktivistin, Rachel Carson, die in 1965 in ihrem Buch The Sense of Wonder schrieb: “I sincerely believe that for the child, and for the parent (or teacher) seeking to guide him, it is not half so important to know as to feel. If facts are the seeds that later produce knowledge and wisdom, then the emotions and the impressions of the senses are the fertile soil in which the seeds must grow. The years of early childhood are the time to prepare the soil. Once the emotions have been aroused — a sense of the beautiful, the excitement of the new and the unknown, a feeling of sympathy, pity, admiration or love — then we wish for knowledge about the subject of our emotional response. Once found, it has lasting meaning. It is more important to pave the way for the child to want to know than to put him on a diet of facts he is not ready to assimilate.”

Studierende am Seminar für Waldorfpädagogik Berlin und auch immatrikulierte Student*innen der Freien Hochschule Stuttgart am Seminar für Waldorfpädagogik Berlin, werden auf diese Aufgabe vorbereitet in folgenden Bereichen: wissenschaftliche Grundlagen der Waldorfpädagogik, Didaktik der Unterrichtsfächer, künstlerische Atelierarbeit in Sprachgestaltung, Eurhythmie, plastisches Gestalten, Malen/ Zeichnen und Singen/ Rhythmik.

Zu der Weiter- und Ausbildung gehören auch eine intensive schulpraktische Ausbildung und eine erziehungswissenschaftliche Seminar- und Masterarbeit. Über die zweijährige Ausbildung am Seminar, entweder im Weiterbildungsgang oder im Rahmen des Masterstudienganges der Freien Hochschule Stuttgart, ist Folgendes zu berücksichtigen: regelmäßige Anwesenheit bei den Ausbildungsveranstaltungen, per Anwesenheitsliste dokumentiert; auch während der schulpraktischen Ausbildungsphasen muss der Nachweis über die Anwesenheit sowohl gegenüber der schulpraktischen Ausbildungsstätte als auch gegenüber dem Seminar geführt werden.

Bei Fehlzeiten von mehr als 10 % der Ausbildungsdauer bedarf die Ausstellung der Studien- oder Masterurkunde in Absprache mit den jeweiligen Dozentinnen und Dozenten Kompensationen der Fehlzeiten. Studierende sollen Studienblätter bzw. Studienbücher führen und dafür sorgen, dass Module von Dozent*innen nach erfolgreichem Abschluss darin unterschrieben werden.

Unvollständige Studienblätter gefährden die Urkundenvergabe am Enden der Weiter- oder Ausbildung. Externe Fortbildungen, Praktika, Gastepochen, Teildeputate und dergleichen außerhalb des vorgesehenen Praktikumszeitraums, stellen eine seltene, besonders zu begründende Ausnahme von der vorrangigen Verpflichtung zur Seminarausbildung dar. Der Antrag dazu ist vor jeder Vereinbarung, gegebenenfalls von der betreffenden Schule, schriftlich ans Seminar zu richten.

Über den regelmäßigen Unterricht am Seminar hinaus ist die Teilnahme an mindestens einer Fachmethodik verpflichtend: mindestens ca. 120 Unterrichtstunden, Unter- und Mittelstufe oder 200 Unterrichtstunden, Unter-, Mittel- und Oberstufe.

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