Eurythmie

In der 6. Klasse beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler im Physikunterricht innerhalb der Akustik mit den Chladnischen Klangplatten. Diese zeigen, wie Klang Bewegung hervorruft. Wenn die Bewegung zur Ruhe kommt, sieht man charakteristische Formen.

Eurythmie ist eine Kunst, die die unsichtbaren Bewegungen von Sprache und Musik in sichtbare Bewegung umsetzt. Wenn Kinder Bewegungen formen und mit ihrem Körper ausführen, kann das zu einer Belebung, zu einem Aufwacheffekt, zu besserer Hörfähigkeit und zur Verbesserung von Konzentration und Aufmerksamkeit führen. Im Jahre 1912 schuf Rudolf Steiner eine neue Bewegungskunst, die Eurythmie, die als sichtbarer Gesang und sichtbare Sprache verstanden und entwickelt wurde.

Das Wort Eurythmie stammt aus dem Griechischen. „Eu“ kann mit „gut, schön, wahr, richtig“ übersetzt werden, “rhythmos“ mit „gegliederte Stetigkeit“. So bedeutet Eurythmie etwa: schöner oder wahrer Rhythmus. Durch die Eurythmie wird der Körper zum Wahrnehmungsorgan und zu einem Instrument des Ausdrucks.

Die natürlichen Gesetzmäßigkeiten von Musik und Sprache werden durch die bestimmten Bewegungen sichtbar und erlebbar. In der Eurythmie werden alle Elemente, die zur Strukturierung von Musik dienen, wie Takt, Rhythmus, Melodie, Tonhöhe und Intervalle, bewegt. Durch bestimmte Armbewegungen und Raumformen können auch die Elemente der Sprache wie Versmass, Laute und die seelischen Stimmungen durch Gebärden in räumlich sichtbare Bewegung umgewandelt werden. Das Wort und die Musik werden so durch den ganzen Menschen sichtbar.

Die Menschen, die sich eurythmisch bewegen, wandeln durch bestimmte Raumformen und Gesten, die in Sprache und Musik wirksamen Gesetzmäßigkeiten zum sichtbaren Ereignis um. Ton und Laut wird dadurch unmittelbar seelisch-geistiger Ausdruck im Raum. Musik und Sprache erscheinen als lebendige Skulptur im Raum, sie harmonisieren physische und seelisch-geistige Zustände im Menschen. Seit 1919 ist die Eurythmie Bestandteil des Lehrplanes an den Waldorfschulen und wird in allen Klassenstufen unterrichtet. Sie begleitet das Kind in den unterschiedlichen Entwicklungsphasen und unterstützt den nach der anthroposophischen allgemeinen Menschenkunde aufgebauten Unterricht.

Die pädagogische Eurythmie greift immer den Bewegungsimpuls des werdenden Menschen auf. Sie zeichnet die Wachstumsgestalt des Lebensleibes nach und bringt durch methodisch abgestimmte Raum- und Gebärdenformen diese zum Klingen. Eurythmie bietet Konzentrationsübungen zur Förderung der Aufmerksamkeit, Bewegungsübungen zur Verbesserung von motorischen Fähigkeiten, Übungen zur Harmonisierung von sozialer Dynamik in der Klasse, Spaß an Bewegung. Sie stellt im Schulalltag eine Polarität zu den Unterrichtsfächern dar, die mehr um die Aufnahme von Kenntnissen bemüht sind. Das Kind erfährt durch die Elemente der Eurythmie ausdrucksvoll sich selbst und seine Verbundenheit mit der Welt.

Die Eurythmie schult die Wahrnehmung für die inneren und äußeren Bewegungen des Kindes und kann auch die Selbstwahrnehmung der Lehrer*innen fördern. Sie verbessert die Raumerfassung in der solistischen Bewegung und im Zusammenhang mit der Klasse. Der Unterricht in der Waldorfschule fordert den/die Lehrer*in als ganzen Menschen. Alle Sinne des pädagogisch Wirkenden sind im Umgang mit Kindern aufgerufen und müssen eingestimmt sein auf die verschiedenen Entwicklungsstufen der Schüler*innen. Denn jeder Unterricht wirkt auf Denken, Fühlen und Wollen im Kind.

Der Kurs innerhalb des Seminarlehrganges ermöglicht das Kennenlernen der Eurythmie als künstlerisches Fach und gibt einen Einblick in den methodischen Aufbau des Eurythmieunterrichtes in der Waldorfschule.

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