Farbe bekennen

Überwiegend sind wir es gewohnt, Farbe nur als ein Attribut, als eine Färbung von Dingen anzusehen. Farbe ist aber mehr. Ein Zustand in der Welt, der für sich selbst spricht. Die Farben der Atmosphäre und des Lichts sowie unsere Empfindungen und Gefühle dazu können uns auf die Spur bringen.

Rudolf Steiner gab schon vor 100 Jahren den ersten Lehrerinnen und Lehrern die Aufgabe die Kinder von Anfang an die freie Farbe heranzuführen. Mit fantasievollen Malgeschichten werden die Kinder an die Qualitäten von Rot Gelb und Blau herangeführt. Die einzelnen Farben als unterschiedliche Kräfte oder Energien zu erfahren – das ist auch der Einstieg in die malerischen Übungen am Seminar.

Zu Beginn gibt es kein anderes Motiv als die Farben selbst in ihren unterschiedlichen Schattierungen, Übergängen und Verwandlungen. Hieraus werden Farbklänge und Stimmungen entwickelt, die in inhaltliche Motive münden können. Abstrakt oder gegenständlich. Ausgangspunkt ist jedoch immer die Ausdruckskraft der Farbe selbst.

Die Aquarellmalerei hat am Seminar wie auch in der Waldorfschule beim Malen einen herausgehobenen Stellenwert. Das bewegliche Medium der Wasserfarbe kann sehr stark die Fantasie anregen und im Zusammenwirken von Gewolltem und Zufälligem zu überraschenden Bildern führen. Das Zufällige beflügelt die Fantasie. Die vorgefassten Vorstellungen werden dabei „verflüssigt“ um dem noch Unbekannten Raum zu geben. Durch die Hinzunahme von Techniken wie Pastell, Ölkreide, Kohle, etc. wird das Spektrum der bildnerischen Mittel erweitert und bereichert.
Übungen und Betrachtungen zur Farbenlehre und zur Kunst werden in den Unterricht mit eingeflochten. Dabei wird im Speziellen auch die Farbenlehre Goethes als eine Grundlage erarbeitet.

Im Zeichnen erarbeiten wir die Grundlagen für das gegenständliche Zeichnen welches ab der 6.Klasse die Lehrer*innen mit den Kindern epochenweise üben. Weniger mit der Linie sondern ausgehend von den Möglichkeiten des Hell/Dunkels werden Darstellungstechniken für diesen Unterricht geübt.

Im Hinblick auf das Tafelzeichnen werden Techniken des Bildaufbaus erlernt und dabei unterschiedliche Themen und Inhalte für den späteren Unterricht erarbeitet. Räumliches und figürliches Zeichnen wird nach der Natur geübt.

Bei all dem ist es mein großes Anliegen, die bildnerische Neugier und die Experimentierfreude der Teilnehmer zu wecken und zu entwickeln um das Vertrauen in die eigenen schöpferischen Fähigkeiten zu stärken, denn gerade das sollen Lehrer und Lehrerinnen an die Kinder weitergeben.

Wenn dies glückt, so könnte es weit über das hinausführen, was man für gewöhnlich als ein nötiges künstlerisches Rüstzeug für den Lehrer ansehen würde.

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