Oberstufenlehrer*in an einer Waldorfschule – Was bedeutet das?

„Das Jugendalter überschattet eine ganz objektive Tragik: Der Jugendliche findet nur selten das vorgelebt, was er sucht – den selbstbestimmten Erwachsenen.“

E. Fucke 1993,

Jugendliche sind auf der Suche nach Wahrheit und Idealen zunächst unbestechlich und hierein mag für uns ein Motiv liegen, uns selber wachszurufen. Wir werden Oberstufenlehrer*innen, weil wir in den Jugendlichen lauter faszinierende Menschen sehen, die Ideale haben, ihre Fähigkeiten entfalten und Zukunftsimpulse verwirklichen wollen. Dieser Gedanke begeistert uns und diese Begeisterung wollen wir den Jugendlichen widerspiegeln.

Damit wir das können, müssen wir uns befähigen, alles immer ein wenig mehr zu können. Wir müssen uns befähigen, etwas vom Menschen und insbesondere vom Jugendalter zu verstehen. Wir müssen uns befähigen, unser Fachwissen so zu können, dass junge Menschen unsere Begeisterung teilen können. Wir müssen also für unsere Fächer „brennen“, damit man uns glaubt, dass es kein totes Wissen ist.

Wir müssen uns als Lernende erweisen, die das Lernen begleiten und entwickeln können. Wir dürfen manches besser wissen, aber wir dürfen keine Besserwisser sein. Wir sind ernsthaft bei der Sache und sind gleichwohl niemals humorlos. Wir können konsequent sein, und doch verlieren wir unsere Warmherzigkeit nicht.

Weil Unterrichten in dieser Weise eine Kunst ist, werden wir uns befähigen. Pädagogisch, wissenschaftlich und in künstlerischer Prozessarbeit, damit unsere Unterrichte immer ein wenig mehr sind: schöpferische Prozesse, die Erkenntnisfähigkeit, Urteilsfähigkeit und Handlungsfähigkeit in den uns anvertrauten jungen Menschen hervorrufen.

Wenn wir all das bewerkstelligen, mögen uns die jungen Menschen vielleicht glauben, dass wir brauchbare Lehrer*innen sind und vielleicht, vielleicht schimmert sogar die Ahnung des selbstbestimmten Erwachsenen durch unsere Person hindurch.